Neue Anforderungen an kleinere Energieversorger

Mitten in der Übergangs-Lösung

Februar 10, 2022 | Presse

 

Können kleinere Versorger in Zukunft noch am Markt bestehen?
Oder bedeuten die Vorgaben von Redispatch 2.0 über die
Smart-Meter-Gateway-Administration bis hin zur Marktkommunikation (MaKo) 2022 das Aus für das lokale Stadtwerk? Auf der Jubiläumsveranstaltung der iS Software GmbH
aus Regensburg wurden diese Themen intensiv diskutiert.

Dirk Weiße, Geschäftsfüh­rer der iS Software, ist der Überzeugung, dass neben preiswerten Ener­gieangeboten (Lieferan­ten) nach wie vor die Versorgungssicherheit im Netz bei den EVU über allem steht: ,,Deutschland nahm und nimmt weltweit eine Spitzenstellung in dieser Disziplin ein. Aber dieses hohe Niveau zu halten, ist durch die mittler­weile unzähligen fluktuierenden Einspeiseanlagen eine hohe technologische Herausforderung geworden.“

Seit 1. Oktober 2021 gelten die neuen gesetzlichen Vorgaben für die Bewirt­schaftung von Netzengpässen. Mit dem ID Redispatch 2.0 sollen neue Prozesse den Informations- und Datenaustausch, den Bilanzkreisausgleich sowie die Abrech­nung optimieren. Im Kern ginge es ja, so Weiße, um die prädiktive, ereignisorien­tierte Abschaltung von Erzeugungsanla­gen zur Sicherstellung der Spannungshal­tung im Netz. Von diesen Vorgaben sind häufig kleinste Werke mit oft nur einigen wenigen Anlagen genauso betroffen, wie große überregionale Netzbetreiber.

Weiße betont: ,,Neben der Regelung der Anlagen sind auch zahlreiche kauf­männische Aspekte zu berücksichtigen, die wir in unserem System vollständig abbilden. Dabei konzentrieren wir uns in unserem Kernsystem auf die Aufgaben Energieabrechnung, Bilanzierung der Energiemengen sowie Berechnung der Ausfallarbeit. Bereits diese sind ja komplexe Umsetzungsthemen.“

Ohne passende IT-Lösung geht es nicht

Um auch den kleinen Stadtwerken und E-Werken eine umfassende Komplettlösung anbieten zu können, hat das Unternehmen seine Software mit den Modulen für Prognose und Netzzu­standsanalyse der spezialisierten Partner Enercast und Venios ergänzt. Dabei stelle man auch eine Schnittstelle zur zentralen Datensammelstelle „Connect+“ zur Verfü­gung. ,,Dazu haben wir einerseits unsere Module ‚EEG-Abrechnung‘ wie auch un­ser integriertes EDM ertüchtigt“, erläutert Weiße, ,,und andererseits Lösungen für Kunden im Angebot, die ihr EDM-System außerhalb der WinEV-Welt betreiben.“ Auf diese Weise biete man den Kunden eine komfortable, stabile, umfassende und marktgerechte Lösung an.

Die Umsetzung im Markt läuft jedoch mehr als holprig und der BDEW hat eine branchenweite Übergangslösung für den gesicherten Einstieg in den Redis­patch 2.0 veröffentlicht, die ab März bis Ende Mai 2022 läuft. ,,An dem Beispiel kann man recht gut erkennen, dass das Veränderungstempo und die oft zu kur­zen Umsetzungsfristen mittlerweile alle Marktakteure an die Grenze Ihrer Leis­tungsfähigkeit bringen“, betont Weiße. Um die Herausforderungen in den Ver­teilnetzen zu bewältigen sind neben der Umsetzung der Vorgaben des Redis­patch 2.0 weitere Maßnahmen zur Digi­talisierung im Netz in den nächsten Jah­ren erforderlich.

Und auch das Thema Klimaschutz sei als große Überschrift in keiner anderen Branche so unmittelbar spürbar, sagt Wei­ße. Die Klimaziele und die Dekarbonisie­rung würden zwangsläufig ein neues Marktdesign mit weiteren Herausforde­rungen mit sich bringen. Kleinere Verteil­netzbetreiber müssten modernste Techno­logien wie Künstliche Intelligenz, Internet of Things und auch LoRaWAN einsetzen, um Schritt zu halten.

Energievertriebe vor großen Herausforderungen

Neben dem starken Wettbewerb und den Risiken in der Energiebeschaffung sorgt auch im Vertrieb der Regulierer mit seinen Vorgaben für Veränderungen in der Prozesslandschaft und einer Digitali­sierung des Kundenservice. Im Rahmen der Novelle des Energiewirtschaftsgeset­zes (EnWG) zur Umsetzung fairer Ver­braucherverträge gibt es beispielsweise etliche neue Anforderungen an eine Rech­nung, erweiterte Informationspflichten zu Vertragslaufzeiten, Kündigungsterminen und vieles anderes mehr.

Der Kundenservice muss zunehmend über das Internet – quasi als Customer Self Service – ausführbar sein. Ein plaka­tives Beispiel ist der „Kündigungsbutton“. Hier unterstützt das WinEV-Web-Modul. Es ist leicht integrierbar und stellt alle notwendigen Webdienste zur Verfügung. Ein anderes Tool hilft bei der Business Intelligence. ,,Denn um bei den Angeboten am Ball zu bleiben, diese also schnell anpassen zu können, müssen Energie­vertriebe ihre Kundendaten ad hoc aus­werten“, weiß Weiße.

Alle diese digitalen Themen hatte die iS Software auf der Anwendertagung 2021 auf der Agenda. Der Fachkongress fand digital aber auch als Präsenzveran­staltung (unter strengen Corona-Regeln) Anfang Oktober im „marinaforum“ in Regensburg statt. Und es gab Anlass zum Feiern: 25 Jahre iS Software. Mit dabei waren alle Kunden der ersten Stunde – zehn an der Zahl – die von der iS Soft­ware seither begleitet werden.

Quelle: www.ebwk.de

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